| | | Wer von der kausalen Gesetzmäßigkeit allen Geschehens durchdrungen ist, für den ist die Idee eines Wesens, welches in den Gang des Weltgeschehens eingreift, ganz unmöglich - vorausgesetzt allerdings, dass er es mit der Hypothese der Kausalität wirklich ernst meint. Die Furcht-Religion hat bei ihm keinen Platz, aber ebensowenig die soziale bzw. moralische Religion. Ein Gott, der belohnt und bestraft, ist für ihn schon darum undenkbar, weil der Mensch nach äußerer und innerer gesetzlicher Notwendigkeit handelt, vom Standpunkt Gottes aus also nicht verantwortlich wäre, sowenig wie ein lebloser Gegenstand für die von ihm ausgeführten Bewegungen. Man hat deshalb schon der Wissenschaft vorgeworfen, dass sie die Moral untergrabe, jedoch gewiss mit Unrecht. Das ethische Verhalten des Menschen ist wirksam auf Mitgefühl, Erziehung und soziale Bindung zu gründen und bedarf keiner religiösen Grundlage. Es stünde traurig um die Menschen, wenn sie durch Furcht vor Strafe und Hoffnung auf Belohnung nach dem Tode gebändigt werden müssten. |
| | Nicht den Tod sollte man fürchten, sondern daß man nie beginnen wird, zu leben. |
| | Alexander von Mazedonien und sein Maultiertreiber haben nach ihrem Tode dassselbe Schicksal erfahren. Denn entweder wurden sie in dieselben Lebenskeime der Welt aufgenommen oder der eine wie der andere unter die Atome zerstreut. |
| | Kehre einmal das Innere deines Körpers um wie ein Kleid und schau, wie es inwendig beschaffen ist und was er sein wird, wenn Alter, Krankheit und Ausschweifung ihn aufreiben! Von kurzer Lebensdauer ist sowohl der, welcher lobt, als der, welcher gelobt wird, der, welcher eines andern gedenkt, und der, dessen gedacht wird. Und zudem nur in einem Winkel dieses Erdstriches geschieht es, und selbst hier stimmen nicht alle miteinander, ja der einzelne stimmt nicht einmal mit sich selbst überein. Nun ist aber die ganze Erde nur ein Punkt. |
| Author | Chris Hedges |
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| Stichworte | äußere Bedrohung, Dialog, Ekstase, Freunde, Freundschaft, Fußball, Gruppe, Identität, Individuum, Kameraden, Kameradschaft, Krieg, Leben, Masse, Opfer, Patriotismus, Rausch, Selbstaufopferung, Tod |
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| Source | "War Is a Force That Gives Us Meaning" |
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| Freunde sind vorherbestimmt; Freundschaft findet statt zwischen Männern und Frauen, die eine intellektuelle und emotionale Zuneigung für einander haben. Aber Kameradschaft - dieses ekstatische Hochgefühl, das daherrührt, in Kriegszeiten zur Masse zu gehören - die ist in unserer Reichweite. Wir alle können Kameraden haben. Die Gefahr der äußeren Bedrohung, die entsteht, wenn wir einen Feind haben, erzeugt keine Freundschaft; sie erzeugt Kameradschaft. Und die im Krieg täuschen sich darüber, was sie durchmachen. Und deshalb werden Kameraden wieder zu Fremden für uns, sobald die Bedrohung vorbei ist und der Krieg endet. Das ist der Grund, warum wir nach dem Krieg in Verzweiflung verfallen.
In der Freundschaft gibt es eine Vertiefung unserer Wahrnehmung unserer selbst. Wir nehmen durch einen Freund stärker war, wer wir selbst sind; wir finden uns selbst in den Augen des Freundes. Freunde bohren und fragen nach, sie fordern einander heraus vollständiger zu werden; bei der Kameradschaft von der Art, wie sie in patriotischem Eifer zu uns kommt, gibt es eine Unterdrückung der Selbstwahrnehmung, der Selbstkenntnis, und der Eigenverantwortlichkeit. Kameraden verlieren ihre Identät im Krieg für den kollektiven Rausch einer gemeinsamen Sache, eines gemeinsamen Zieles.
Bei der Kameradschaft gibt es keine Ansprüche an das Selbst. Das ist Teil ihrer Anziehungskraft und einer der Gründe, warum wir sie missen und wiederherzustellen suchen. Kameradschaft erlaubt uns, den Anforderung an das Selbst zu entfliehen, die Teil der Freundschaft sind. Wenn wir uns im Krieg bedroht fühlen, sehen wir dem Tod nicht alleine ins Gesicht, sondern als Gruppe, und dies macht den Tod leichter zu ertragen. Wir adeln die Selbstaufopferung für einander, für die Kameraden; kurz, wir beginnen, den Tod anzubeten. Und das ist es, was der Gott des Krieges von uns verlangt.
Zum Schluß bedenke, was es bedeutet, für einen Freund zu sterben. Es ist bewußt und schmerzhaft; es bereitet keine Ekstase. Für Freunde ist Sterben schwer und bitter. Der Dialog, den sie führen und schätzen, wird vielleicht nie wieder fortgesetzt werden. Freunde lieben Tod und Opfer nicht auf die Art, auf die es Kameraden tun. Für Freunde ist die Aussicht des Todes erschreckend. Und das ist der Grund warum Freundschaft, oder Liebe, der stärkste Gegner des Krieges ist. |
| | Wie lächerlich doch die Menschen verfahren! Ihren Zeitgenossen, mit denen sie zusammenleben, verweigern sie das Lob, sie selbst aber schlagen das Lob von seiten der Nachkommen hoch an. Diese sollen alsdann rühmen, was sie weder kennen noch gesehen haben. Das ist aber fast ebenso, als wenn sich jemand darüber betrüben wollte, daß auch die Vorfahren auf ihn keine Lobreden gehalten haben. |
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